Wunderbar, wie präzise der Flashmob von Hamburg die politische Situation als das entlarvt, was sie ist, und der Politik die Maske vom Gesicht reißt, hinter der sie ihren jämmerlichen Egoismus versteckt.
Da kommt eine Gruppe von Menschen zu einer Parteiveranstaltung – und macht genau das, was sonst die Politik mit “Jubelpersern” und bestellten Claqueuren aus eigenen Reihen organisiert: Sie jubelt. Auslöser des Ganzen ist eine Schmiererei auf einem Wahlplakat und, wie so oft, Twitter, mit dem Hashtag #undallesoyeaahh.
Die Gruppe schmeißt nicht Eier, sie pöbelt nicht rum, sie buht nicht aus. Sie läßt einen Satz sprechen – und findet den so unglaublich gut, dass sie ihn bejubelt. So begeistert, dass auch dem Unbeteiligten klar wird: Mit der Botschaft kann wohl etwas nicht stimmen.
- Warum werden völlig leere Worthülsen bejubelt?
- Warum wird heiße Luft bejubelt?
- Warum werden Wahlversprechen bejubelt?
Wahlversprechen, die am Wahltag um 18:00 zu Lügen werden, da sich die Politik daran ja wohl auch nicht messen lassen müsse.
Die Frage nach der Hirnlosigkeit der bejubelten Aussagen drängt sich unweigerlich auf!
Wie immer verbreitet sich die Information im Internet wie ein Lauffeuer.
Doch der Spiegel schreibt von “Flashmob-Terror“. Und fragt gar: “Hätte der Flashmob-Terror von den Sicherheitsbehörden im Vorfeld verhindert werden müssen?” Denn: Wenn jedes dritte Stimmschaf sein Kreuz macht, egal wo, ist die Welt in Ordnung. Wenn die Herde aber plötzlich versteht, was da gespielt wird, dann ist es…TERROR !!!
Also besser so: Eine große Schleuse vor der Veranstaltung. Du willst hinein? Du gibst Deinen Fingerabdruck ab. Dank Biometrie-Paß, wissen SIE, wer Du bist. Dank Vorratsdatenspeicherung kennen SIE Deine eMail-Kontakte, die Twitter Accounts, die angesurften Webseiten. Du hast sogar einen Aufruf zum Flashmob gelesen oder sogar zwei? Du blogst gar darüber? SIE lassen Dich nicht hinein: Du bist ein Sicherheitsrisiko!
Oder so: Alle Aufrufe zu Flashmobs werden hinter einem Stopp-Schild versteckt. Die Infrastruktur haben wir ja schon, nur den Text muß man anpassen, schließlich dient es ja der öffentlichen Sicherheit.
Oder vielleicht so: U-Bahnen fahren ohne Halt durch, Busse werden umgeleitet, Zufahrtsstraßen werden abgeriegelt, Behörden und Geschäfte sind geschlossen. Wer hinein will, bekommt Plastikfesseln ums Handgelenk, um Klatschen zu verhindern, und einen Knebel, um Schreien zu verhindern. Zwanzig Kameras filmen jeden, über dem Platz kreisen Hubschrauber. Vorne spricht Frau Merkel über “Freiheit in Deutschland”.
Und nachdem es weitere Wahlkampftermine in der kommenden Woche gibt und viele im Netz auf eine Wiederholung warten.
Jene aber, die überzeugt sind, wir würden in einem freien, demokratischen Land leben, werden jedoch den Kopf schütteln und die Aktion als spätpubertären Übermut abkanzeln.
Filed under: Flashmob, Wahltag ist Zahltag